Donnerstag, 30. April 2020

Zinskommentar März 2020 - Die Notenbanken und ihre Maßnahmen gegen das Coronavirus

Gegen Hamsterkäufe in den Supermärkten können die Notenbanken nichts ausrichten, für das Chaos an den Börsen und deren Minimierung eher schon: Fest steht, die Auswirkungen des Coronavirus sind bereits jetzt extrem. Vor allem der noch ungewisse weitere Verlauf der Pandemie schürt Unsicherheit. Die Vereinten Nationen (UN) und die OECD warnen vor einer globalen Rezession. In der EU ist ein Rückgang der Wirtschaftsleistung sogar so gut wie sicher. Wie lange uns das Coronavirus tatsächlich begleiten wird und wie groß die Gefahren für die Wirtschaft sind, ist allerdings unklar. Auch die Gefährlichkeit des Erregers lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend beurteilen. Laut Experten ist aktuell keine valide Prognose zum weiteren Verlauf möglich. Auch wenn in China die Infektionszahlen gerade erheblich zurück gehen und die Industrieproduktion wieder hochgefahren wird. Es bleibt abzuwarten, ob diese Entwicklung anhält und ob der Verlauf in anderen Ländern ähnlich sein wird.

Das Coronavirus sorgt für viel Unsicherheit
Sicher ist allerdings schon jetzt: Die Unsicherheit, dass das Coronavirus in der Bevölkerung, Wirtschaft und damit auch an den Aktienmärkten verbreitet, ist deutlich spürbar und die kurzfristigen Folgen für die Weltwirtschaft sind gravierend. Der 9. März 2020 geht als einer der „Schwarzen Montage“ in die Geschichte ein: Der deutsche DAX Index verlor 7,94 Prozent, der größte Tagesverlust seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. An der Wall Street in New York wurde der Aktienhandel am Montag sogar für 15 Minuten komplett ausgesetzt, nachdem die Kurse auch hier extrem gefallen waren. In der Eurozone sackte der Eurostoxx50 Index gar um 8,3 Prozent ab. Bei den Anlegern besteht die Furcht vor den ungewissen Risiken durch das Coronavirus und deshalb haben aktuell Anlagen, die als „sicherer Hafen“ gelten eine starke Nachfrage. Dazu zählen unter anderem die deutsche Bundesanleihe, der Euro oder Gold.

Zinsentwicklung über die fünf letzten Jahre

Bei den Maßnahmen gegen die Corona-Krise ist ein ruhiges Handeln wichtig
Für die Politik und die Notenbanken gilt es derzeit einen schwierigen Spagat zu schaffen: Es ist einerseits unerlässlich, dass sie entschlossen handeln und ihre Bereitschaft signalisieren, die Wirtschaft zu unterstützen. Andererseits gilt es, Alarmismus und überstürztes Handeln zu vermeiden, um die Märkte nicht noch weiter zu verunsichern. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve System (Fed) senkte ihren Leitzins bereits in der ersten Märzwoche in einer nicht unumstrittenen außerplanmäßigen Aktion. Die Senkung um einen halben Prozentpunkt war die größte seit der Finanzkrise 2008. Allerdings sorgte diese kurzfristige Aktion für die Marktteilnehmer eher für Verunsicherung und dürfte dem Druck des amerikanischen Präsidenten Donald Trump geschuldet gewesen sein. Viele Investoren rechneten danach mit weiteren Zinsschritten auf der nächsten regulären geldpolitischen Sitzung zwei Wochen später. Auch die Bank of England senkte ihren Leitzins außerhalb der turnusmäßigen Sitzungen von 0,75 auf 0,25 Prozent und erklärte die Bereitschaft zu weiteren Maßnahmen.

Für die Europäische Zentralbank (EZB) war eine Zinssenkung keine Option, da in der Eurozone der Leitzins seit Jahren bei null liegt. Trotzdem mussten aber auch die europäischen Notenbänker auf der Sitzung am 12. März 2020 handeln: Nachdem alle wesentlichen Notenbanken weltweit bereits reagiert hatten, war die Erwartungshaltung an die EZB hoch, auch eine spürbare Reaktion zu zeigen. Der Kursverfall an den weltweiten Börsen in den ersten zwei Märzwochen des Jahres 2020 erhöhte den Druck auf die EZB zusätzlich. Genau das tat die EZB dann auch und drehte weiter an den bekannten Stellschrauben: Die Langfristkredite für Banken (TLTROs) wurden weiter aufgestockt und ihre Konditionen verbessert.

Außerdem wurde das Anleihekaufprogramm ausgeweitet: Bis zum Jahresende sollen bis zu 120 Milliarden Euro zusätzlich in Anleihekäufe investiert werden. Der Leitzins und Einlagezins sind dagegen unverändert bei null bzw. -0,5 Prozent geblieben. Die Optionen der Europäischen Zentralbank (EZB) sind limitiert, da sie im Gegensatz zur Fed in den letzten Jahren nicht vom Krisenmodus in den Normalmodus umschalten konnte. Der EZB bleibt daher nur ein „mehr von allem“ oder neue, bisher noch nicht angewendete Maßnahmen, wie beispielsweise das Helikoptergeld. Solche Maßnahmen wird die EZB aber vorerst noch nicht aus dem Hut zaubern, denn die Auswirkungen des Virus auf die konjunkturelle Entwicklung sind noch zu schwer abzuschätzen.
Ob die aktuell getroffenen Maßnahmen die Finanzmärkte tatsächlich beruhigen werden, ist jedoch noch nicht sicher. Eine weitere Senkung des Einlage- oder Leitzinses würde laut Experten kaum eine Wirkung zeigen. Deshalb liegt Verantwortung eher bei der Politik: Die EZB hat der Politik in den letzten Jahren viel Zeit erkauft, um strukturelle Reformen anzugehen. Die Zeit wurde von den meisten Ländern nicht ausreichend genutzt. Jetzt sind vor allem die Eurostaaten gefragt, dringend notwendige Investitionen zu tätigen und sich mit Konjunkturprogrammen gegen eine Krise zu stemmen.

Das Coronavirus sorgt in Deutschland für das Ende der schwarzen Null
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) befürchtet genau wie die Vereinten Nationen, dass Deutschland in eine Rezession abgleiten wird. Claus Michelsen vom DIW erklärte jüngst, dass das Coronavirus die deutsche Wirtschaft recht kräftig zu erfassen scheine. Deshalb sind politische Maßnahmen und eine Flexibilisierung am Arbeitsmarkt wichtig, um kurzfristige Liquiditätsengpässe bei gesunden Unternehmen zu überbrücken und das hohe Beschäftigungsniveau zu erhalten. Die bisher beschlossenen Maßnahmen der Bundesregierung dürfen daher nur ein Anfang sein, um die Wirtschaft gezielt mit Liquidität zu versorgen. Je nachdem, wie sich die Konjunkturprognosen weiter verschlechtern, wird der Druck auf die Bundesregierung zunehmen, weitere geldpolitische Maßnahmen zu ergreifen. Die „schwarze Null“ ist auf jeden Fall über Bord geworfen.

Die Bauzinsen und Bundesanleihen bewegen sich im Ausnahmezustand
An der Entwicklung der zehnjährigen Bundesanleihe lässt sich besonders gut die extreme Verunsicherung erkennen: Zwischenzeitlich fiel ihre Rendite auf den nie dagewesenen Tiefstand von -0,86 Prozent. Der Durchschnittszins für eine Baufinanzierung mit zehnjähriger Zinsbindung liegt weiterhin bei 0,63 Prozent. Aufgrund der extremen Verunsicherung des Finanzmarktes muss weiterhin von einer sehr hohe Volatilität ausgegangen werden. Kurzfristig sind auch technische Gegenreaktionen möglich, also sprunghafte Zinsanstiege, die aber nicht zu einem nachhaltig höheren Zinsniveau führen werden. Dies konnte man bereits im März 2020 sehen. Nach einem sehr schnellen Einbruch, gab es auch eine sehr schnelle Gegenreaktion. Generell kann man derzeit aber davon ausgehen, dass das Zinsniveau kurzfristig unter sehr hohen Schwankungen weiter extrem niedrig bleiben wird.

Nutzen Sie meine Forward-Strategie, um bei Marktveränderungen schnell reagieren zu können.
Die Forward-Darlehen-Strategie 

Tendenz der Baufinanzierungszinsentwicklung:
kurzfristig: schwankend steigend
mittelfristig: schwankend seitwärts
langfristig: schwankend steigend

Entwicklung Leitzins, 10-jährige Bundesanleihe und Inflation der letzten fünf Jahre

Zinskommentar als eBook herunterladen

Leseempfehlungen

Lesen Sie doch auch diese Artikel rund um das Thema Finanzen, wofür sich auch andere Leser interessierten:
KfW, BAFA & Co. – Was ist neu bei Förderprogrammen und wie kann man profitieren
Frühjahrscheck fürs Eigenheim
Kredit- und Konditionenanfragen: Mit schufaneutraler Anfrage die Bonität erhalten
Bildnachweis

Montag, 20. April 2020

KfW, BAFA & Co. - Was ist neu bei Förderprogrammen und wie kann man profitieren

Die Einbindung von Fördermitteln ist bei der Immobilienfinanzierung häufig sehr sinnvoll. Als Folge des Klimaschutzprogramms 2030 der deutschen Bundesregierung gibt es mit dem Jahresbeginn 2020 zahlreiche Änderungen. Ein Überblick über die wichtigsten Neuerungen können Sie sich hier verschaffen.

Die KfW-Bank stockt ihre Programme aufAls positive Neuerungen sind zunächst die angehobenen Kredithöchstbeträge und die deutlich erhöhten Zuschüsse der KfW-Förderbank zu nennen. So liegt der Kredithöchstbetrag im Rahmen des Programms „Energieeffizient Bauen“ (KfW 153) ab dem 24. Januar 2020 bei 120.000 Euro statt 100.000 Euro. Außerdem können Bauherren ab diesem Zeitpunkt bis zu 30.000 Euro ihrer Kreditschuld erlassen bekommen (bisher 15.000 Euro), wenn die Immobilie den Energiestandard „KfW 40 Plus“ aufweist.

Auch im Programm „Energieeffizient Sanieren“ (KfW 151) hat sich der Kredithöchstbetrag auf 120.000 Euro erhöht. Wird die Bestandsimmobilie sogar zum KfW-Effizienzhaus saniert, winken - je nach Energiestandard - bis zu 48.000 Euro Tilgungs- oder (für die Variante 430) Investitionszuschuss. Besteht die Sanierung aus Einzelmaßnahmen (KfW 152), bleibt es beim bisherigen Förderhöchstbetrag von 50.000 Euro, der Höchstzuschuss beträgt in diesem Fall 10.000 Euro.
Unabhängig davon, ob Neu- oder Altbau: Der Energieträger Öl ist jetzt komplett aus der Förderung ausgeschlossen. Im KfW-Programm 167 „Energieeffizient Sanieren - Ergänzungskredit“ werden jedoch weiterhin Solarthermie-Anlagen, Biomasse-Anlagen (Pellet und Holzvergaser), Wärmepumpen, Gas-Brennwertheizungen (in Kombination mit einer Anlage auf Basis erneuerbarer Energien) gefördert.

Wie sollte der Staat den Erwerb von Wohneigentum fördern?

Einen Überblick über die Änderungen bei den KfW-Programmen finden Sie hier.
Weitere Informationen zur KfW-Neubauförderung sind hier hinterlegt.
Die KfW-Bestandsbauförderung ist hier zusammengefasst.

Die BAFA übernimmt FörderungenEinen Teil der Förderungen von energieeffizienten bzw. regenerativen Heizungen hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im Rahmen des „Marktanreizprogrammes zur Förderung von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmemarkt“ von der KfW-Bank übernommen und leicht verändert. Neu ist zum Beispiel, dass die bisherigen Festbeträge auf eine anteilige Förderung umgestellt werden. Grundlage für die prozentuale Berechnung der Zuschüsse sind jetzt die förderfähigen Kosten. Für diese Kosten können Antragsteller bis zu 45 Prozent Zuschuss erhalten.
Weitere Eckpunkte zum BAFA-Förderprogramm stehen hier.

Steuerliche Ermäßigungen statt FörderungenFür die Gebäudesanierung können Eigentümer als Alternative zur Förderung durch KfW und BAFA jetzt auch eine steuerliche Förderung in Anspruch nehmen. Wer seine Immobilie dämmt oder Fenster, Türen, Lüftung oder Heizung erneuert, kann - beginnend mit dem Steuerjahr 2020 - unter bestimmten Umständen die Kosten hierfür von seiner Steuerschuld für einen begrenzten Zeitraum anteilig abziehen. Die Immobilie muss in diesem Fall älter als zehn Jahre sein. Vorgesehen ist, dass 20 Prozent der Kosten und maximal insgesamt 40.000 Euro je Wohneinheit über drei Jahre verteilt geltend gemacht werden, sodass Sanierungskosten von maximal 200.000 Euro förderfähig sind. Ob KfW, BAFA oder steuerliche Abschreibungen im Falle einer Sanierung passen und welche Förderung die größte Ersparnis mit sich bringt, lässt sich im Zuge der Beratung gemeinsam mit Ihren Kunden herausfinden.
Weitere Kriterien der steuerlichen Förderung führt diese Internetseite.

Öfen und Kamine: Das gilt es ab diesem Jahr zu beachtenViele Interessenten freuen sich, dass in der Bestandsimmobilie ein Ofen oder Kamin vorhanden ist. Doch ihnen ist häufig nicht bewusst, dass diese Feuerstätten nachträglich hohe Kosten verursachen können. Der Grund: Ältere Anlagen mit einer Typprüfung bis einschließlich 31. Dezember 1994 müssen bis Ende 2020 ausgetauscht, stillgelegt oder entsprechend den aktuell gültigen Grenzwerten nachgerüstet werden. Nur Öfen und Kamine, die die Grenzwerte der Stufe 2 der Ersten Bundesimmissionsschutzverordnung (1. BimSchV) einhalten, dürfen dann weiterhin genutzt werden. Deshalb ist es wichtig, auf diese Neuregelungen hinweisen, um zu vermeiden, dass man nachträglich von den Kosten überrascht wird und zugleich die Möglichkeit hat, die absehbaren Zusatzkosten bei den Kaufverhandlungen geltend zu machen.
Aktuelle Fristen zu Öfen und Kaminen lassen sich hier nachlesen:
https://www.bmu.de/heizen-mit-holz/uebergangsfrist/

Leseempfehlungen

Lesen Sie doch auch diese Artikel rund um das Thema Finanzen, wofür sich auch andere Leser interessierten:
Frühjahrscheck für das Eigenheim
Einbruch und Diebstahl - Einbruchschutzkampagne der Polizei
Baufinanzierung: Wie viel Eigenkapital muss sein?
Bildnachweis