Sonntag, 28. Februar 2021

Baukindergeld läuft bald aus - Fristverlängerung endet am 31. März 2021

 Das Baukindergeld steht Familien, welche ein Haus oder eine Immobilie kaufen oder bauen und selbst einziehen zu. Ein wichtiger Stichtag ist hierfür der 31. März 2021. Ursprünglich sollte das Baukindergeld bereits zum 31. Dezember 2020 auslaufen, wurde dann wegen der Corona-Pandemie um 3 Monate verlängert. Bis spätestens zu diesem Zeitpunkt muss der Kaufvertrag unterschrieben sein oder die Baugenehmigung vorliegen. Spätestens nach sechs Monaten, nachdem der Einzug erfolgte, muss der Antrag für das Baukindergeld gestellt worden sein. Maßgeblich dafür ist die amtliche Meldebestätigung. Der Antrag muss spätestens bis zum 31. Dezember 2023 unter Einhaltung aller Förderbedingungen gestellt werden.

Wer hat Anspruch auf das Baukindergeld
Das Baukindergeld können Familien mit mindestens einem Kind in Anspruch nehmen. Das Kind muss bei Antragsstellung unter 18 Jahre alt sein und mit in die neue Immobilie einziehen. Für jedes im Haushalt gemeldete minderjährige Kind können Familien einen Zuschuss von 1.200 Euro im Jahr über zehn Jahre und somit insgesamt 12.000 Euro erhalten. Der Antrag für das Baukindergeld wird bei der KfW-Bank über das KfW-Zuschussportal gestellt.

Entwicklung der Hauspreise in Deutschland in den Jahren von 2000 bis 2019

Voraussetzungen für das Baukindergeld

  • Die Unterzeichnung des Kaufvertrags bzw. die Erteilung der Baugenehmigung für das Haus oder die Eigentumswohnung muss zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. März 2021 liegen.
  • Das Haus oder die Wohnung muss selbstgenutzt sein.
  • Das Baukindergeld wird nur für Kinder gezahlt, welche am Tag der Antragstellung unter 18 Jahre alt sind, mit im Haushalt leben und für die man Kindergeld bekommt.
  • Das Haus oder die Wohnung, für das Baukindergeld beantragt wird, ist die einzige Wohnimmobilie. Wer beispielsweise bereits ein Haus geerbt hat, bekommt keinen Zuschuss.
  • Das zu versteuerndes Haushaltseinkommen beträgt maximal 90.000 Euro pro Jahr bei einem Kind. Für jedes weitere Kind können 15.000 Euro hinzukommen. Für Familien mit zwei Kindern gilt also ein maximal zu versteuerndes Haushaltseinkommen von 105.000 Euro, bei drei Kindern sind es 120.000 Euro usw.
  • Das neue Zuhause muss sich in Deutschland befinden.

Was ist beim Zweiterwerb von Wohneigentum zu beachten?
Baukindergeld erhalten nur diejenigen, die als Familie erstmalig ein Eigenheim erwerben. Ein Beispiel: Eine Familie, die nach der Geburt des ersten Kindes zunächst eine Eigentumswohnung gekauft hat und später ein Haus erwirbt, hat KEINEN Anspruch auf Baukindergeld. Allerdings: Wer in der Vergangenheit eine Eigen­heim­zulage erhalten hat, kann auch Baukinder­geld erhalten. Voraussetzung dazu ist, dass die mit der Eigen­heim­zulage geförderte Wohn­immobilie inzwischen wieder verkauft wurde.

Eine Beispielrechnung verdeutlicht das Sparpotenzial
Für einen Baukredit in Höhe von 200.000 Euro mit einer 15-jährigen Sollzinsbindung bei einem effektiven Jahreszins von 1,80 Prozent sowie einer Kreditrate von monatlich 800 Euro und einer jährlichen Anfangstilgung von 3,0 Prozent wären über die Kreditlaufzeit knapp 41.000 Euro an Zinszahlungen zu leisten. Bringt die Familie mit zwei Kindern das Baukindergeld als jährliche Sondertilgung ein, reduziert sie die Zinsbelastungen auf etwa 35.000 Euro – und hat zugleich die Restschuld merklich verringert.

Für Käufer und Bauherren mit Baukindergeldanspruch gilt aber trotzdem, dass der Traum von den eigenen vier Wänden nach wie vor nur mit ausreichend Eigenkapital zu verwirklichen ist. Ohne eigenes Geld ist keine solide Baufinanzierung gewährleistet.

Weitere Informationen zu der Beantragung werden auf der Internetseite www.kfw.de/baukindergeld zur Verfügung gestellt.

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Montag, 8. Februar 2021

Zinskommentar Januar 2021 - Geldschwämme der EZB und die Auswirkungen auf die Baufinanzierung

 Die Europäische Zentralbank (EZB) hat wie im Vorfeld bereits erwartet wurde, in der letzten Ratssitzung weder etwas am rekordniedrigen Leitzins angepasst, noch wurde etwas am den Kurs der expansiven Geldpolitik verändert. Die EZB hält somit an ihrem bisherigen Kurs fest, denn sie hat auch bereits viel Pulver verschossen. So sind drei Billionen Euro seit 2015 in diverse Anleihekaufprogramme geflossen und erst im Dezember 2020 wurde das Notprogramm zur Bekämpfung der Corona-Pandemie (PEPP) um 500 Milliarden Euro aufgestockt und verlängert. Eine Entscheidung, die von Fachleuten nachvollzogen werden kann, denn die PEPP-Maßnahme muss nun erst noch ihre Wirkung entfalten, bevor eine weitere Justierung ins Auge gefasst werden kann. Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde geht derzeit davon aus, dass die kalkulierten 1,85 Billionen Euro bis zum Ende der derzeitig geplanten Laufzeit des PEPP bis März 2022 nicht komplett ausgeschöpft werden müssen. Dagegen schloss Sie aber auch eine erneute Ausweitung des Programms nicht aus, wenn dies aus geldpolitischer Sicht nötig sein sollte. Es gehe der EZB darum, dass „vorteilhafte Finanzierungsbedingungen“ bereit gestellt werden. Diese Formulierung zog sich wie ein Mantra durch die Pressekonferenz zur EZB-Ratssitzung.

Die Corona-Pandemie schiebt die Inflationsziele in weite Ferne
Die Europäische Zentralbank (EZB) kommt trotz heiß laufender Gelddruckmaschinen ihrem nun schon seit Jahren verfolgten Hauptziel einer Inflationsrate auf dem Niveau von knapp zwei Prozent in der Eurozone nicht näher. So zeigen die Daten für Ende des Jahres 2020 coronabedingt sogar eine geringe Deflation an. Dies wird sich in den nächsten Monaten aber wieder ändern, denn die temporäre Mehrwertsteuersenkung ist ausgelaufen, Energiepreise steigen und mit einem Ende des Lockdowns kann auch eine wiederkehrende Konsumfreude zu erwarten sein. Fachleute gehen von einer Erholung der Wirtschaft aus, aber dies mit einer Verzögerung. Denn die Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie dauern länger an als zunächst erwartet wurde und die Corona-Impfungen sind schleppender anlaufen als ursprünglich erhofft.

Bauzinsentwicklung über die fünf Jahre

Deshalb wird wohl in Deutschland frühestens im zweiten Quartal 2021 mit einem Konjunkturaufschwung zu rechnen sein. Mit etwas Zeitverzug wird dann auch die Inflation ansteigen, was aber in 2021 voraussichtlich noch nicht in Richtung zwei Prozent geht. Auch die Inflations-Prognosen für den Euro-Raum fallen verhalten aus: Die EZB rechnet mit einer Inflation von 1,3 Prozent bis Ende 2023. Zwar ist sie dabei, ihre geldpolitische Strategie zu überprüfen und damit auch das Inflationsziel von aktuell knapp 2 Prozent - aber an diesem Wert wird sie sich wohl auch weiterhin orientieren. Möglicherweise könnte eine Anpassung des strategischen Ziels darauf hinaus laufen, dass die EZB temporär eine höhere Inflation als 2 Prozent zulässt, wenn diese davor für einen gewissen Zeitraum darunter lag. Dies würde bedeuten, dass sie nicht sofort gegensteuert, wenn diese Grenze überschritten werden sollte. Damit würde sich die Europäische Zentralbank (EZB) ähnlich Rahmenbedingungen schaffen, wie dies die amerikanische Notenbank Federal Reserve System (Fed) macht, um die expansive Geldpolitik auch bei höheren Inflationsraten fortzusetzen.

Kritischere Kriterien bei der Kreditvergabe?
Europas Banken haben die Vergabestandards sowohl für Firmen- als auch für private Kredite verschärft und planen, dies auch während des ersten Quartals fortzuführen. Aus einer Meldung der EZB, haben von den befragten Instituten 7 Prozent angegeben, wegen verschlechterter Wirtschaftsaussichten und höherer Risiken ihre Kriterien für Immobilienfinanzierungen strenger zu fassen. Diese Entwicklung ist von Experten auf dem deutschen Markt nur bedingt nachvollziehbar: Die Baudarlehen sind davon unterm Strich kaum betroffen und auch der Zugang zu Immobilienfinanzierungen funktioniert weiterhin gut. Dennoch gibt es durch aus pandemiebedingte Einschränkungen: Für einzelne Interessenten kann die Konstellation von Kurzarbeit und einer Branche, deren Zukunftsperspektive eher pessimistisch ausfällt, schwierig sein und bedeuten, dass Banken dieses Risiko zurzeit nicht eingehen wollen.

Die EZB sieht zumindest keinen Handlungsbedarf, an den Rahmenbedingungen für die Kreditvergabe etwas zu verändern und beispielsweise hierfür weitere Mittel zur Verfügung zu stellen. Christine Lagarde hat in der Pressekonferenz zur ersten Ratssitzung des Jahres noch einmal ausdrücklich darauf hin gewiesen, dass das langfristige Kreditprogramm für Großbanken (TLTRO III), welches im Dezember 2020 erst ausgeweitet wurde, den Instituten genügend Anreize gebe, Geld zu verleihen. Mit diesem Programm können Banken unter bestimmten Bedingungen Geld von der EZB für einen Zinssatz von minus 1 Prozent erhalten.

Hypothekenzinsen seit 1980

Geldschwämme hat Auswirkung auf den Immobilienmarkt
Die künstliche Liquiditätsschwemme der EZB hinterlässt schon seit langem ihre Auswirkungen auf den Aktien- und Immobilienmärkten. Durch die massiven Anleihekäufe und deren damit verbundenen niedrigen Renditen, haben sich auch die Baufinanzierungszinsen im Keller festgesetzt. Sie verharren dort weiterhin auf einem extrem niedrigen Zinsniveau. Seit Oktober 2020 liegt der Top-Zins für 10-jährige Baudarlehen bei ca. 0,4 Prozent und für eine 15-jährige Darlehensfestschreibung lag dieser auch weiter bei ca. 0,65 Prozent. Die Zins-Konditionen für eine 20-jährige Zinsbindung konnte seit November 2020 mit einem Zinssatz von ca. 0,89 Prozent auch weiter im Bereich der historischen Tiefstände bleiben.

Der niedrige Leitzins schränkt auch die Möglichkeiten ein, dass Anleger ihr Geld gewinnbringend anlegen können. Deshalb geht es bei interessanten Anlagemöglichkeiten zurzeit vor allem Aktien und Immobilien. So haben besonders Wohnimmobilien im vergangenen Jahr ihre Werthaltigkeit unter Beweis gestellt. Die Folge daraus ist, dass weiterhin die Preise steigen und damit zunehmend erschwerte Erwerbsbedingungen daraus resultieren. Weil die Zinsen kaum noch Potenzial haben weiter signifikant zu sinken, gleicht die Zinsersparnis die steigenden Preise nicht mehr aus, wie dies in der Vergangenheit passiert ist. Damit verschlechtert sich für Immobilienkäufer perspektivisch der Erschwinglichkeitsindex. Dies wird auch erst einmal so bleiben, da ein deutlicher Zinsanstieg nicht in Sicht ist. Die Bauzinsen bleiben vorerst niedrig, auch wenn mit temporären Schwankungen zu rechnen ist.

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Tendenz der Baufinanzierungszinsentwicklung:
kurzfristig: schwankend seitwärts
mittelfristig: schwankend seitwärts
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Donnerstag, 7. Januar 2021

Zinskommentar Dezember 2020 - EZB dreht Geldhahn weiter auf und stockt Krisenprogramm PEPP massiv auf

 Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bei der letzten Sitzung am 10. Dezember 2020 das umfangreichste Maßnahmenpaket in ihrer Geschichte aufgelegt. Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte nach der Sitzung sieben Punkte vor, mit denen sie Europas Wirtschaft durch die Corona-Krise bringen will. Die umstrittenste und zugleich größte Maßnahme des Paketes besteht darin, dass im Rahmen des Notfallprogramms PEPP die Anleihekäufe von 1,35 auf 1,85 Milliarden Euro aufgestockt werden und bis mindestens März 2022 fortgesetzt wird. Die Währungshüter lockern darüber hinaus die Bedingungen der Langfristkredite für Geschäftsbanken und stellen weitere günstige Leihgeschäfte in diesem Bereich zur Verfügung. Mit den günstigen Krediten für die Banken soll verhindert werden, dass die Kreditvergabe im Euroraum wegen der krisenbedingt steigenden Ausfallrisiken zurückgefahren und die Wirtschaft dadurch weiter geschwächt wird.

Die EZB-Maßnahmen zeigen kaum Auswirkungen auf dem Aktienmarkt
Die Finanzmärkte reagieren in der Regel auf geldpolitische Lockerungen und die Aussicht einer weiteren Geldschwemme durch die Europäische Zentralbank (EZB) mit steigenden Aktienkursen. Die Notenbank lieferte auf der aktuellen Sitzung allerdings nur das ab, was der Finanzmarkt ohnehin erwartet und bereits eingepreist hatte. So blieb die große Überraschung aus und an der Wirksamkeit der geldpolitischen Maßnahmen kommen zudem immer mehr Zweifel auf. Bereits jetzt hält die EZB Anleihen im Wert von fast 3 Billionen Euro, die sie in den letzten fünf Jahren ankauft hat. Mit dem Corona-Pandemie-Notfallprogramm dürfte das Volumen bis 2022 auf insgesamt fast 5 Billionen Euro steigen. Experten warnen deshalb bereits vor den fatalen Folgen dieses massiven geldpolitischen Eingriffs, denn so wird seit Jahren durch die Anleihekäufe eine indirekte Staatsfinanzierung durch die EZB betrieben. Das billige Geld hat während dieser Zeit leider nicht dazu geführt, dass dringend notwendige Reformen und Zukunftsinvestitionen umgesetzt wurden. Stattdessen treibt es hoch verschuldete Staaten wie Italien immer weiter in die Abhängigkeit von der Notenpresse.

Zinsentwicklung über die fünf letzten Jahre

Welche Folgen haben die EZB-Maßnahmen für Verbraucher, Sparer und Bauherren?
Vor allem in Deutschland, das traditionell ein Land der Sparer ist, wünschen sich viele Verbraucher eine Rückkehr zur geldpolitischen Normalität. Allerdings werden die aktuell beschlossenen Maßnahmen das Zinsniveau noch über einen langen Zeitraum extrem niedrig halten. Daraus folgt, dass eine Rendite auf dem Sparbuch damit vorerst ausgeschlossen ist. Eine Rückkehr zur Normalität wird durch die immer höheren Anleihekäufe zunehmend schwieriger, denn viele Staaten in der Europäischen Union (EU) könnten sich einen Zinsanstieg gar nicht leisten. Sie wären bei steigenden Zinsen nicht mehr in der Lage, ohne Weiteres ihren Schuldendienst ausreichend zu leisten. Mit der gerade aufkommenden Diskussion um Steuererhöhungen zur Finanzierung der Corona-Kosten sind wir in Deutschland ziemlich allein. Vielen erscheint es einfacher, sich indirekt durch die Minimalzinsen finanzieren zu lassen, als den harten Weg über den Steuerzahler zu gehen. Dabei nimmt die Politik allerdings in Kauf, dass Vermögenswerte der Bevölkerung wie Bargeld, Festgeld oder Lebensversicherungen durch die anhaltenden Niedrigzinsen schleichend entwertet werden.

Baufinanzierungszinsen werden voraussichtlich erst einmal günstig bleiben
Für die Sparer sind die niedrigen Zinsen ein Fluch, für Bauherren und Immobilienkäufer dagegen ein Segen: Die Zinskonditionen für Immobiliendarlehen sind auch im Dezember 2020 unverändert günstig geblieben und dürften sich im gesamten Jahr 2021 nicht nennenswert nach oben bewegen. Der Top-Zins für eine zehnjährige Zinsfestschreibung blieb im Vergleich zum Vormonat weiter bei 0,41 Prozent und auch für eine 15-jährige Darlehensfestschreibung ging der Zinssatz nur leicht auf 0,65 Prozent nach oben. Die Zins-Konditionen für eine 20-jährige Zinsbindung blieben gegenüber dem Zinssatz vom November 2020 mit 0,88 Prozent weiter im Bereich der historischen Tiefstände.

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Montag, 7. Dezember 2020

Zinskommentar November 2020 - Die Bauzinsen bleiben durch die Corona-Pandemie weiterhin niedrig

 Am 23. November 2020 wurde durch die Mainzer Pharmafirma BioNtech und ihr US-Partner Pfizer Inc. ein Durchbruch bei der Impfstoff-Entwicklung gegen den Corona-Virus vermeldet und dies sorgte an den Wertpapierbörsen für ein weltweites Kursfeuerwerk. So erlebte der DAX Index einen der stärksten Anstiege der letzten 50 Jahre und die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe hatte Anfang November mit -0,64 Prozent zunächst den tiefsten Stand seit Mitte März 2020 erreicht. Nach der Impfstoffmeldung konnte die Rendite kurzfristig auf -0,48 Prozent steigen, sank aber nur wenige Tage später genauso schnell wieder ab. Allerdings hatte dieser leichte und zeitlich begrenzte Anstieg kaum Auswirkungen auf die Bauzinsen, so dass man sagen kann, dass der minimale Zinsanstieg nach der BioNtech-Impfstoffmeldung sich schnell wieder relativiert hat. Dadurch verharren die Bauzinsen weiterhin auf einem sehr niedrigen Zinsniveau und ein Aufwärtstrend ist derzeit nicht zu sehen. Dies spiegelt sich auch beim Top-Zins für 10-jährige Hypothekendarlehen wieder, der unverändert bei 0,41 Prozent liegt. Auch längere Zinsbindungen bleiben mit 0,60 Prozent bei einer 15-jährigen Zinsfestschreibung und der 20-jährigen Zinsbindung mit 0,87 Prozent weiterhin günstig.

Die EZB ist bereit für weitere Maßnahmen, die durch die zweite Welle der Corona-Pandemie notwendig werden
Für Anleger, die auf eine rasche Erholung der Wirtschaft oder gar einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik nach der Impfstoff-Meldung spekuliert hatten, wurden spätestens auf der internationalen Notenbank-Konferenz am 11. und 12. November 2020 auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. So warnte die EZB-Präsidentin Christina Lagarde vor einer erneuten Rezession in den EU-Staaten. Denn niemand kann einschätzen, wie viele Infektionswellen die Welt noch bis zu einer allgemeinen Verbreitung des Impfstoffes verkraften müsse. Deshalb gehen Zins-Experten davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auch im kommenden Jahr massiv in die Märkte eingreifen wird und dadurch das Zinsniveau niedrig bleibt. Denn die Währungshüter hatten die Verfügbarkeit eines Impfstoffes für 2021 ohnehin einkalkuliert. Die positiven Meldungen von BioNTech und Moderna haben daher kaum eine Auswirkung auf die geldpolitischen Entscheidungen der Europäische Zentralbank (EZB). Denn viele Fragen zur Verfügbarkeit und Verteilung des Impfstoffes sind zudem ungeklärt, wodurch die Unsicherheit bleibt hoch bleibt.

Zinsentwicklung über die fünf letzten Jahre
Fachleute halten es deshalb für wahrscheinlich, dass sich die EZB auf ihrer Dezember-Sitzung deutlich zu weiteren Maßnahmen positionieren wird. Denn die Währungshüter werden alles unternehmen, um sich gegen die Corona-Krise zu stemmen und möglicherweise bereits die Ausweitung des Notfallprogramms PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) beschließen. Selbst wenn ein Ende der Corona-Pandemie abzusehen ist, bleibt es dabei, dass sich viele Staaten aufgrund ihrer Rekordschuldenstände deutlich höhere Zinsen kaum leisten können. Ein abrupter Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik ist deshalb so gut wie ausgeschlossen.

Die US-Wahlen sorgen für einen neuen Präsidenten - Das ändert sich unter Joe Biden
Mit der Abwahl Donald Trumps im Januar 2021 ist eines klar, dass ein Protektionist das Weiße Haus verlassen wird, der den internationalen Handelsbeziehungen während seiner Amtszeit schwere Schäden zugefügt hat. Wie sich diese Situation unter Joe Biden verändert und ob sich die transatlantischen Beziehungen wieder erholen, bleibt allerdings weiter unklar. Auch der nachfolgende Präsident Joe Biden dürfte mit seiner "buy american"-Ausrichtung weiter eine harte Handelsstrategie verfolgen.

Dennoch sehen Experten durch den Präsidentenwechsel klare Vorteile für die EU. Auch wenn unter Joe Biden sehr wahrscheinlich weiterhin "America first" gilt, wird doch der Umgangston wieder partnerschaftlicher werden und die USA werden sich unter Joe Biden wieder an internationale Handelsgesetze und Vereinbarungen halten. Dazu kommt, dass sich der Ausgang der US-Wahl auch indirekt positiv auf den Brexit-Ausgang auswirken kann. Denn ein ungeregelter Brexit ist nun unwahrscheinlicher geworden, da Boris Johnson die Rückendeckung von Donald Trump fehlt und Joe Biden sich bereits klar gegen einen "No-Deal-Brexit" positioniert hat.

Wie es unter dem Präsident Joe Biden tatsächlich weitergeht, hängt allerdings auch noch von den neu zu wählenden Mehrheitsverhältnissen im Senat ab, die sich erst in der Stichwahl im Januar 2021 entscheiden werden. Sollte die republikanische Mehrheit im Senat erhalten bleiben, dann hätte Joe Biden enorme Schwierigkeiten, seine Gesetzesvorhaben durchzubringen. Würde die Stichwahl eine Senatsmehrheit zugunsten der Demokraten ergeben, dann wäre das Regieren für Joe Biden deutlich leichter. Er könnte dann unter anderem ein erneutes Konjunkturpaket leichter umzusetzen. Fachleute gehen allerdings in jedem Fall davon aus, dass Joe Biden der US-Wirtschaft deutlich unter die Arme greifen wird, bis sich die Arbeitslosenquote wieder beim Vorkrisenniveau eingependelt hat. Und auch Europa und vor allem die Exportnation Deutschland, würde von einer Erholung der US-Wirtschaft profitieren, denn die USA bleibt für Deutschland nach wie vor einer der wichtigsten Absatzmärkte.

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Montag, 30. November 2020

Ferien im eigenen Urlaubsdomizil - Was bei der Finanzierung einer Ferienimmobilie zu beachten ist

 Für die Mehrheit der Deutschen verlief der Sommerurlaub im Jahr 2020 anders ab als geplant. Er fand größtenteils im eigenen Land statt und nicht mehr hauptsächlich im Rahmen einer Fernreise. So verwundert es nicht, dass die Nachfrage von Kaufinteressenten nach Ferienimmobilien vielerorts gestiegen ist. Dementsprechend hat auch der Informationsbedarf nach der richtigen Finanzierungsmöglichkeit für eine eigene Ferienimmobilie an Bedeutung gewonnen und deshalb sind nachfolgend wichtige Fragen für dieses Thema zusammengestellt.

Die Nutzungsbeschränkungen der anvisierten Ferienimmobilie müssen abklärt werden
Bei der Finanzierung einer Ferienimmobilie lautet das Zauberwort "Nutzungsbeschränkung", denn in vielen klassischen Urlaubsgemeinden etwa an Nord- und Ostsee wird von der Gemeinde vorgegeben, wie Immobilien in bestimmten Gegenden genutzt werden dürfen. So ist es beispielsweise relevant, ob in dem Haus oder der Wohnung dauerhaft gewohnt wird, oder ob es sich um eine reine Ferienimmobilie handelt und diese nur zeitweise privat genutzt wird. Ob nun die gewünschte Immobilie einer Nutzungsbeschränkung unterliegt, ist manchmal etwas umständlich herauszufinden. Bei einer Bestandsimmobilie sollte der Verkäufer, bei einem Neubau der Bauträger die nötigen Information parat haben. Ansonsten bleibt nur der Weg sich bei der Gemeinde den Bebauungsplan der Region zu beschaffen, denn dort sind auch etwaige erlaubte Nutzungsbeschränkungen ausgewiesen. Wenn eine Vermietung möglich ist, stehen für die Finanzierung zumeist lediglich die regionalen Volksbanken und Sparkassen vor Ort als Finanzierungspartner zur Verfügung. So steht den Interessenten häufig nur eine eingeschränkte Auswahl an Kreditgebern zur Verfügung.

Deutsche reisen am liebsten im eigenen Land

Lebensplanung als Ferienimmobilieninteressent objektiv beurteilen
Bei der Finanzierung einer Ferienimmobilie ist die zweite große Frage: Wie ist die weitere Lebensplanung? Das heißt: Soll die als Ferienimmobilie angeschaffte Wohnung dauerhaft ein Zweitwohnsitz bleiben, oder können sich die Interessenten vorstellen, im Ruhestand eventuell ganz dorthin zu ziehen?

Beispielsweise lässt sich eine Immobilie für den Alterswohnsitz in Schleswig-Holstein nämlich mit zusätzlichen Mitteln der Investitionsbank Schleswig-Holstein finanzieren. Damit wird das Risiko auf zwei Banken aufgeteilt, und der Käufer profitiert durch den niedrigeren Beleihungsauslauf von einer besseren Zinssituation. Allerdings gibt es hier keine bundesweit einheitliche Vorgehensweise. Deshalb muss man für seine Region prüfen, ob zum Beispiel regionale Förderungen eingebunden werden können. Zu beachten ist auch, dass mit der Einführung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR) viele Banken das Lebensphasenmodell ihrer Kunden bei der Finanzierung berücksichtigen müssen. In dem die Darlehensgeber die gesamte Kreditlaufzeit betrachten und hinterfragen, was mit der Ferienimmobilie langfristig geplant wird, möchten sie sichergehen, dass Darlehen dauerhaft zurückgezahlt werden können.
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Zusätzliche Sicherheiten dem Finanzierungsinstitut anbieten
Ob sich hinter einem Einfamilienhaus ein Strandbungalow, eine Stadtvilla oder eine Blockhütte in den Bergen verbirgt, ist für die Kreditgeber meist irrelevant. Unabhängig davon, wie die Ferienimmobilie beschaffen ist – die verlangte Eigenkapitalquote ist zumeist höher als bei einem selbstgenutzen Eigenheim. Es ist gelegentlich möglich auch eine 100-Prozent-Finanzierung zu bekommen, aber in der Regel gilt, dass Finanzierer über die Kaufnebenkosten hinaus noch gute 20 Prozent des Kaufpreises aus Eigenmitteln bestreiten sollten.

Ein im persönlichen Besitz befindliches Eigenheim kann als Sicherheit eine Alternative sein. Damit ließen sich gewissermaßen sogar Brücken schlagen. Ein Beispiel: Wenn man als Kunde der Sparkasse in Frankfurt ein Häuschen am Starnberger See kaufen möchte, ist das für die Mitarbeiter der Frankfurter Sparkasse erst einmal etwas kompliziert, da sie ja kaum Ortskenntnis für das neue Objekt mitbringen und deshalb den Wert unter Umständen nur schwer ermitteln können. Wenn man aber bereits ein Eigenheim in Frankfurt über das gleiche Institut finanziert hätte, könnte man dieses als Sicherheit mit einbringen. Dann wäre nicht nur die Finanzierung des Seehauses im Süden möglich, sondern es ließen sich in der Regel sogar Zinsvorteile erzielen.

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Sonntag, 15. November 2020

Zinskommentar Oktober 2020 - EZB beschließt vorerst keine weiteren Maßnahmen und lange Zinsfestschreibungen sind so günstig wie nie zuvor

 Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Niedrigzinsen trotz allem keine Selbstverständlichkeit sind. Denn vor zehn Jahren pendelte der Top-Zins für 10-jährige Zinsfestschreibungen noch zwischen 3 und 4 Prozent. Da niemand ein Hellseher ist und vorhersagen kann, wie das Zinsniveau in den kommenden fünf oder zehn Jahren aussieht, ist es für Darlehensnehmer empfehlenswert, die aktuellen niedrigen Bauzinsen möglichst lange festzuschreiben. Mit einer Zinsbindung von mindestens 15 Jahren wird eine lange Planungssicherheit ermöglicht. Damit zum Ende der Zinsbindung ein möglichst großer Anteil des Darlehens getilgt ist, sollten Baufinanzierer zudem die günstigen Zinsen für eine hohe Tilgung von mindestens zwei Prozent nutzen.

Dazu kommt, dass gerade in Krisenzeiten neben der Planungssicherheit zusätzlich auch Flexibilität wichtig ist - und zwar in Bezug auf die monatliche Zinsrate. Wenn es beispielsweise durch Kurzarbeit zu vorübergehenden Einkommensreduzierungen kommt, muss die Zinsrate unter Umständen an die neue finanzielle Situation angepasst werden. Durch eine vertraglich vereinbarte Tilgungssatzwechsel-Option ist dies möglich. Falls beispielsweise, etwa aufgrund einer Gehaltserhöhung, unerwartet mehr Geld zur Verfügung steht, lässt sich die Tilgung mit dieser Option auch heraufsetzen und das Darlehen wird schneller abgezahlt.

Die aktuellen Bauzinsen für eine 20-jährige Zinsfestschreibung bleiben auf einem niedrigen Niveau
In der aktuellen Situation gibt es zumindest für Baufinanzierer eine der wenigen guten Nachrichten, denn die Bauzinsen sind seit Monaten auf einem extrem niedrigen Niveau. Dies wird aus heutiger Sicht voraussichtlich auch noch viele Monate weiter so bleiben. Der Top-Zins für ein 10-jähriges Hypothekendarlehen ist zwar kurzzeitig leicht gestiegen und zwar von 0,40 Prozent im September auf aktuell 0,49 Prozent. Allerdings läutet der minimale Anstieg keinesfalls eine Trendwende ein, sondern ist lediglich auf kurzfristige Schwankungen zurückzuführen.

Zinsentwicklung über die fünf letzten Jahre

Das dauerhaft geringe Zinssteigerungspotential lässt sich derzeit besser an den Konditionen längerer Zinsbindungen ablesen: Während Darlehen mit einer 15-jährigen Zinsfestschreibung ab 0,65 Prozent vergeben werden, hält sich der Top-Zins für 20 Jahre Zinsbindung weiter auf einem Tiefstand von 0,89 Prozent unter der Ein-Prozent-Marke. Erst im Februar 2020 unterschritt der 20-jährige Top-Zins erstmals in der Geschichte die Ein-Prozent-Marke. Die sinkenden Zinskonditionen deuten darauf hin, dass der Finanzierungsmarkt eine lang anhaltende Niedrigzinsphase erwartet. Fachleute erwarten auch im Jahr 2021 ein extrem niedriges Zinsniveau, vor allem weil die Europäische Zentralbank (EZB) den Zinsmarkt weiterhin massiv stimulieren wird.

Christine Lagarde deutet auf EZB-Sitzung weitere Lockerungen an
Die nach dem ersten Höhepunkt der Corona-Krise beginnende wirtschaftliche Erholung hat durch die Wucht der zweiten Infektionswelle ein abruptes Ende gefunden. Die Erwartungen an die am 29. Oktober 2020 stattgefundenen EZB-Sitzung waren dementsprechend hoch und EZB-Chefin Christine Lagarde gab sich weniger zurückhaltend als noch in der Sitzung im September 2020. Vorerst wurde eine Anpassung der Maßnahmen zwar nicht beschlossen, doch Experten gehen davon aus, dass die EZB auf ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung im Dezember 2020 das Volumen des billionenschweren Anleihekaufprogramms weiter aufstocken wird. Fachleute erwarten, dass die europäischen Währungshüter auch im Jahr 2021 erheblich in den Markt eingreifen und die Zinsen durch noch höhere Anleihekäufe künstlich niedrig halten werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) begibt sich damit immer tiefer in den Graubereich der indirekten Staatsfinanzierung.

Die Angst vor einem erneutem Konjunktureinbruch durch die Corona-Krise steigt in Deutschland
Bis vor kurzem blickten die meisten Ökonomen noch vorsichtig optimistisch auf die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Nach dem Rekordeinbruch im Frühjahr von fast 10 Prozent konnte sich die Konjunktur über den Sommer deutlich erholen. Durch die rasant steigenden Infektionszahlen und die Aussicht auf den zweiten Lockdown, dürfte sich der Aufschwung hierzulande allerdings wieder deutlich abschwächen. Dies erkennt man auch daran, dass Teile der Wirtschaft bereits auf neue Hilfsmaßnahmen des Staates drängen. Experten sehen allerdings in der weiteren staatlichen Unterstützung von Unternehmen auch Risiken.

Denn je länger der Staat mit Hilfsmaßnahmen in die Wirtschaft eingreift, desto mehr steigt die Gefahr, dass sogenannte "Zombie-Unternehmen" künstlich am Leben gehalten werden. Solche Unternehmen, die schon vor der Corona-Pandemie kein zukunftsfähiges Geschäftsmodell hatten, stellen eine Gefahr für weite Teile der Wirtschaft dar. Zum einen binden sie knappe Ressourcen, die anderen Unternehmen dann nicht mehr zur Verfügung stehen. Und zum anderen können sie bei einer Insolvenz eigentlich gesunde Unternehmen wie Zulieferer, Banken oder Vermieter mit in eine Krise hineinziehen. Um dieses Risiko möglichst gering zu halten, empfehlen Experten, dass bei jeglicher staatlicher Unterstützung konsequent nach strengen Kriterien über die Vergabe entschieden wird. So wäre es vorstellbar, dass man die Banken wieder stärker in die Verantwortung nimmt, indem sie am Risiko beteiligt werden, wenn sie staatliche Mittel der KfW-Bank zusagen. So würde man einen starken Fokus darauf legen, dass Unternehmen die erhaltenen Mittel langfristig auch zurückführen können.

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Die Forward-Darlehen-Strategie

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kurzfristig: schwankend seitwärts
mittelfristig: schwankend seitwärts
langfristig: schwankend seitwärts

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Donnerstag, 15. Oktober 2020

Zinskommentar September 2020 - EZB bleibt vorsichtig und die Bauzinsen verharren weiter auf niedrigem Niveau

 Die Europäische Zentralbank (EZB) ist derzeit dabei, ihre geldpolitische Strategie zu überprüfen. Dabei steht sie allerdings noch vor größeren Herausforderungen als die Federal Reserve System (Fed). Denn die EZB muss die Interessen und Bedürfnisse vieler und teilweise sehr unterschiedlicher Länder in ihre Entscheidung mit einbeziehen. So hat beispielsweise Deutschland mit den Erfahrungen von galoppierenden Preisen fast panische Angst vor einer zu hohen Inflation. Daher kann eher eine abgeschwächte Lösung als das durchschnittliche Inflationsziel der Fed erwartet werden. Grundsätzlich wird die EZB um eine Überarbeitung ihrer Strategie nicht herum kommen.

Obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) seit einem Jahrzehnt Reformen anmahnt und der Politik durch Anleihekäufe und niedrige Zinsen immer neue Zeit erkauft, häufen viele Euro-Staaten allerdings immer höhere Schuldenberge an und machen sich damit abhängig von den Niedrigzinsen, anstatt zukunftsorientierte Reformen umzusetzen. Die europäische Notenbank ist deshalb mittlerweile in einer Zwickmühle angelangt und droht zu einem Erfüllungsgehilfen der Politik zu werden. Sie muss letztendliches höhere Inflationsraten tolerieren, um nicht selbst Auslöser der nächsten Schuldenkrise zu sein.

Die Fed ändert ihre Strategie und sorgt für eine folgenreiche Entscheidung
In den Jahren seit der Finanzkrise ist die ultralockere Geldpolitik, sowohl in Europa als auch in den USA, fast zu einer Normalität geworden. Mit der Corona-Pandemie hat die historische Geldschwemme nochmals eine neue Dimensionen erreicht. Auf ihrer jährlichen Konferenz in Jackson Hole Ende August 2020 sind die US-Währungshüter nun einen Schritt weiter gegangen und haben ihre Strategie grundlegend neu ausgerichtet: Die Federal Reserve System (Fed) kann nun auch im Fall einer wirtschaftlichen Erholung eine steigende Inflation in Kauf nehmen und so die Zinsen weiter niedrig halten. Die bisher angestrebte Inflation-Marke von zwei Prozent ist ab sofort nicht mehr Punktziel, sondern lediglich ein Durchschnittsziel.

Zinsentwicklung über die fünf letzten Jahre

Die Änderung der Strategie kam für Fachleute nicht unerwartet. Allerdings hat sie aber enorme Auswirkungen auf die künftige Geldpolitik. So hat die Fed nun viel mehr Spielraum, auch wesentlich höhere Inflationsraten über einen langen Zeitraum zu tolerieren, wenn sie dabei glaubhaft machen kann, damit einen positiven Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung auszuüben. Die konkrete Folgerung daraus ist: Die US-Währungshüter werden die Niedrigzinsen so lange fortführen, bis eine Vollbeschäftigung erreicht ist, unabhängig davon, ob die Inflation dabei stark steigt und die Kaufkraft der Bevölkerung dagegen sinkt.

Die US-Wahl und der amerikanische Präsident sorgen für turbulente Finanzmärkte
In acht Wochen wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. Nachdem Donald Trump lange als Favorit galt, hat Joe Biden im Zuge der Corona-Pandemie an Beliebtheit gewonnen. In Umfragen konnte er dadurch zulegen und liegt mittlerweile vor dem aktuellen Amtsinhaber Donald Trump. Egal wie die Entscheidung letztendlich ausgeht, sie wird in jedem Fall Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben. Der Sieg im Jahr 2016 von Donald Trump war damals von der Mehrzahl der Meinungsforscher für höchst unwahrscheinlich gehalten worden und kam so eher überraschend für die Finanzmärkte. In der Folge ging es nach der Wahl sehr turbulent an den Börsen zu.

Aus der Statistik der letzten Jahrzehnte kann man ableiten, dass demokratische Präsidenten insgesamt besser für die Märkte sind als republikanische Präsidenten. So sind die Börsenkurse unter Barack Obama und Bill Clinton stärker angezogen als unter der Präsidentschaft von Donald Trump oder George W. Bush. Für die Finanzmärkte wäre es nach der Unberechenbarkeit von Donald Trump bereits ein Fortschritt, wenn die USA wieder einen beständigen Präsidenten bekommen, der auf internationale Zusammenarbeit anstelle von nationalen Alleingängen setzt und globale Probleme nicht ignoriert.

Die Corona-Pandemie hat es verdrängt, aber das drohende Brexit-Chaos ist immer noch da
Die Corona-Pandemie hat nun lange Zeit die Schlagzeilen beherrscht. Dass der Austritt Großbritanniens aus der EU nach wie vor nicht geregelt ist, war dadurch in den letzten Monaten in den Hintergrund gerückt. Nun kommt die Sache wieder in den Fokus, da sich der Streit um die Brexit-Regelungen erneut verschärft und zum Jahresende ein chaotischer Austritt droht . Das Risiko eines ungeregelten Ausstiegs steigt

Mit jedem Tag steigt das Risiko eines ungeregelten Ausstiegs an, wenn es zu keiner Lösungsfindung kommt. Experten sind mittlerweile der Meinung, dass die kurzfristigen Auswirkungen allerdings eher überschätzt werden. Bei einem Brexit ohne ein umfangreiches Abkommen gehen weder in Großbritannien, noch in der Europäische Union (EU) die Lichter aus. Dagegen werden die langfristigen und geopolitischen Auswirkungen eher unterschätzt. Experten gehen davon aus, dass Großbritannien ohne ein Abkommen künftig unter anderem in puncto Steuer- und Währungspolitik als ein aggressiverer Wettbewerber auftreten werden.

Baufinanzierungszinsen bleiben weiter günstig - doch wie lange noch?
Die Baufinanzierungszinsen haben das Rekordtief vom März 2020 zwar noch nicht wieder erreicht, sie sind aber auch nicht mehr besonders weit davon entfernt. Der Top-Zins für 10-jährige Hypothekendarlehen befindet sich bei 0,40 Prozent. Auch die Zinskonditionen für eine längere Zinsbindungen haben sich seit August nicht wesentlich verändert und deuten weiter darauf hin, dass uns die Niedrigzinsphase noch lange Zeit begleiten wird. So sind Darlehen mit einer 20-jährigen Zinsbindung für Kreditnehmer ab 0,71  Prozent, 15-jährige Darlehen ab 0,63 Prozent zu haben. Fachleute erwarten derzeit auf absehbare Zeit keine Änderung des sehr niedrigen Zinsniveaus. Auch die die Inflation wieder steigen sollte, braucht man nicht direkt mit steigenden Zinsen zu rechnen, denn viele Staaten können sich deutlich höhere Zinsen aufgrund ihrer Rekordschuldenstände kaum leisten. Der EZB sind damit ein Stück weit die Hände gebunden, denn sie kann in so einer Situation nicht mit starken Zinserhöhungen gegensteuern.

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Die Forward-Darlehen-Strategie

Tendenz der Baufinanzierungszinsentwicklung:
kurzfristig: schwankend fallend
mittelfristig: schwankend seitwärts
langfristig: schwankend seitwärts

Entwicklung Leitzins, 10-jährige Bundesanleihe und Inflation der letzten fünf Jahre

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